Use-Cases: “…und was programmieren die dann damit?”

Zwei Use-Cases für offene Daten am Beispiel einer Bäckerei

Foto: R☼Wεnα | flickr | CC BY-NC-ND 2.0

Daten zu öffnen bringt etwas. Aber was genau? Wenn wir mit Unternehmer_innen sprechen, die ihre ersten Schritte in Richtung Open Data noch vor sich haben, entstehen meist ähnliche Fragen. Hand in Hand mit der Überlegung, welche Daten denn geöffnet werden können, kommt die Frage: “Und was wird dann damit programmiert?” Unternehmen wollen wissen, was mit ihren Daten geschieht – verständlicherweise.

Das aus dem Ärmel zu schütteln ist nicht immer so leicht, denn viele Möglichkeiten offenbaren sich den Entwickler_innen erst, wenn sie sich mit den Daten direkt auseinandersetzen. Und neue Business-Ideen zu entwerfen kostet die Entwickler_innen Zeit – die vergebens ist, wenn die Daten fehlen, um das Projekt umzusetzen.

Für die Unternehmen, die Daten einstellen, ist zudem die Kostendimension nicht minder wichtig. In der Frage “Was passiert mit den Daten,”  schwingt mit: “Was bringt uns das?”

Wir antworten darauf: Ein großes Plus für die Öffentlichkeitsarbeit durch Transparenz, Open Innovation, die Nähe zu den Kund_innen und deren direkter Input – sowie die Möglichkeit, mit neuen Business-Ideen neue Märkte zu erobern.

Um zu zeigen, wie so etwas aussehen kann, haben wir am Beispiel einer Bäckerei zwei Anwendungsfälle erarbeitet.

Wir fragten acht Open Data Entwickler_innen “Was würdet ihr aus den Daten einer Bäckerei-Kette machen?” und stießen auf große Begeisterung. In der Community fehlt es neben Programmiertalenten auch nicht an Fans von Käsekornspitz & Co!

Die Ideen verpacken wir hier in zwei Use-Cases: Exemplarische Anwendungsfälle, was aus offenen Daten einer Bäckerei-Kette entstehen kann.

Zuerst eine Bestandsaufnahme:

Welche Daten hat eine Bäckerei überhaupt?

Filialen

Geodaten

Kontakt (Telefon, Email, Website)

Fotos / Bilder

Öffnungszeiten

Ausstattung (Verkaufstheke / Café-Bereich)

Aktionen / Rabatte

Produkte

Name

Preis

Fotos / Bilder

Gewicht / Portionsgröße

Verfügbarkeit in Filiale

Inhaltsstoffe (besonders: Bio, Vollkorn, Dinkel, Nüsse, Soja, Süßungsmittel, Gluten, Weizen, Laktose, Hefe, etc.)

Nährwertangaben (Kalorien, Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett, Zucker, etc.)

Produktionsdaten (Wasserverbrauch, CO2 Verbrauch, etc.)

… und vieles mehr! Diese Daten können untereinander kombiniert werden. Auch wenn nur einer dieser Datensätze zur Verfügung steht, ist das schon ein großer Gewinn, denn die Daten lassen sich nicht nur untereinander, sondern auch mit den Daten von anderen Unternehmen und aus anderen Dataportalen (z.B. data.gv.at) kombinieren.

Und was macht man dann daraus?

Die einfachste Antwort lautet: Eine standortbezogene Suchmaschine, die mir sagt, wo ich am Sonntag das nächste Vollkornbrot in meiner Nähe finde. Applikationen wie Öffnungszeiten oder ALLiSEARCH sind nur zwei von vielen möglichen und erfolgreichen Beispielen.

Doch da geht noch mehr.

Aus den Antworten der Community haben sich einige sehr kreative Möglichkeiten ergeben. Wir haben daraus zwei Use-Cases gemacht, exemplarisch für das Potential offener Daten einer Bäckerei.

Mein verträgliches Brot

Die App für Gesundheitsbewusste sowie Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten.

Thomas darf als Allergiker keine Haselnüsse essen. Mit der Zeit hat er zwar gelernt, welche Standard-Backwaren er zu sich nehmen darf, doch das hat einige Zeit gedauert und inkludiert auch so manchen Fehlversuch. Das will er für sich und seine Kinder in Zukunft tunlichst vermeiden. Zusätzlich möchte er mehr gesunde Abwechslung auf den Tisch bringen und auch saisonale Spezialitäten öfter mal gefahrlos ausprobieren.

Die App “Mein verträgliches Brot” hilft ihm dabei. Damit lassen sich Bäckerei-Produkte schnell und verlässlich nach bestimmten Inhaltsstoffen filtern: Nach potentiell unverträglichen Stoffen wie Gluten, Nüssen und Laktose genauso wie nach Gesundheits-Faktoren wie Bio-, Vollkorn- oder Dinkel-Anteil.

Dabei ist Thomas immer up to date: Er hat die App so eingestellt, dass er automatisch eine Nachricht bekommt, wenn die Bäckerei ein Rezept ändert oder ein neues, für ihn verträgliches Produkt auf den Markt bringt.

So weiß er mit Sicherheit, welche gebackenen Köstlichkeiten er für das nächste Familienfrühstück kaufen und unbeschwert genießen kann.

Des Kaisers frisches Kipferl

Eine App, die den Genuss typischer Wiener Backwaren mit einem Sightseeing-Rundgang verbindet.

Eine lange Backtradition gehört zu Wien wie die Pummerin zum Stephansdom. Viele Besucher_innen wollen ortstypisches essen und wissen gar nicht, dass in den Wiener Bäckereien einzigartige Schmankerl zu günstigen Preisen nur darauf warten, verspeist zu werden.

Kim und Yoko mach auf ihrer Europareise auch in Wien Station. Eine Empfehlung im Online-Reiseführer bringt sie auf die App “The Emperor’s Kipferl”. Die beiden Touristinnen laden sich die App im Wiener Gratis-WLAN auf ihr Smartphone und erkunden die Innenstadt.

Nach einer Tour durch die Hofburg brauchen sie eine kleine Stärkung – die App bietet ihnen mehrere Vorschläge von kernigen Weckerln und süßem Gebäck, mit Bildern, übersetzten Namen und Inhaltsstoffen. Die beiden wählen eine süsse Jause und lassen sich auch gleich den Weg zur nahen Bäckerei anzeigen.

Während die beiden Frauen im Burggarten mit Kipferl und Melange picknicken, lauschen sie der Entstehungslegende des Kipferls im Audio-Guide der App.

Und, haben Sie Lust bekommen, Daten einzustellen? Das bringt nämlich etwas – und geht leichter, als Sie wahrscheinlich denken.

Bei Fragen hilft Ihnen unser Team herzlich gerne bei allen Schritten zum Dateneinstellen!

(Beitrag von Sonja Fischbauer)

Teilen

Hinterlasse eine Antwort