Data Pioneers Create Camp „Feuchtgebiete“

Am 2.2.2017 hatten wir im Rahmen des Data Pioneers Piloten unser erstes Create Camp. Mit dabei waren 5 Organisationen, die ihre Daten zur Verwendung anboten und über 30 Teilnehmer*innen, die rund um dieses Daten Ideen sammelten. Dabei entstandenen 7 Projektideen, deren Fortschritt und Weiterentwicklung wir hier der Reihe nach vorstellen möchten.

Von Austrocknung bedrohte Gewässer Nähe Mühlwasser (CC BY-NC 2.0 flickr @clarital)

Wiener Feuchtgebiete

Die von der ZAMG über den Sentinel National Mirror Austria verteilten Satellitendaten bilden die Grundlage einer Projektidee, deren Umsetzung als Adaption für viele Bereiche interessant wäre.

Andreas Trawöger, dem Ideengeber, haben es aber vorerst die im Wiener Umland gelegenen und großteils unter Naturschutz stehenden Feuchtgebiete wie etwa die Lobau und die March-Thaya Auen angetan. Es ist eine bekannte Tatsache, dass dieses Naturschutzgebiet durchaus Wandlungen unterliegt. Die tatsächlichen Veränderungen wie beispielsweise das Verlanden der Lobau werden derzeit zwar punktuell im Rahmen einzelner Projekte beobachtet, ein flächendeckendes Monitoring des gesamten Gebietes östlich der Donau, March und Neusiedlersee fehlt aber. Andreas nutzt in seinem Projekt frei verfügbare Satellitendaten um diesen Umstand zu ändern.

Copernicus` Sentinel Satelliten – sehen alles?

An dieser Stelle ist ein ganz kurzer Exkurs zu den Daten selber angebracht. Die Sentinel Daten stammen von einer Satelliten-Flotte der European Space Agency – ESA. Die Satelliten sind Teil des 1998 gestarteten Erdbeobachtungsprogramms „Copernicus“ der EU und sollen unter anderm der Umwelt- und Klimaforschung und dem Katastrophenschutz dienen.

Sentinel-1 Radar Modes (c) ESA/ATG medialab

Das Programm wird 7 Weltraummissionen umfassen, aktuell sind drei Satelliten-Flotten unter den Namen Sentinell-1 bis -3 bereits im All unterwegs. Die Weltraummission Sentinell-1 umfasst vier Radar-Satelliten, von denen zwei (Sentinell-1A und -1B) bereits aktiv sind. Die Raumfahrtmission Sentinel-2 verfügt über zwei identische Satelliten, die Bild-Daten zur Erde schicken. Seit 2016 ist auch der erste Sentinel-3 Satellit unterwegs.

Das wirklich Besondere an den Informationen, die die Sentinel-Satelliten in unvorstellbarer Menge produzieren: Sie stehen komplett als Open Data zur Verfügung! Benötigt wird „nur“ ein Rechner, der in der Lage ist, mit derartigen Datenmengen auch noch umgehen zu können..

Die Sentinel Daten am Create Camp

Beim Data Pioneers Create Camp stellte die ZAMG neben anderen Daten auch einen schnellen Zugang zu Sentinel-1 und Sentinel-2 Daten zur Verfügung – und eine Infrastruktur, die diese ungeheuren Datenmengen verarbeiten kann.

Das Besondere an den Sentinel-1 Daten ist, dass weltweit erstmals Radarbilder in diesem Umfang zur Verfügung stehen, was eines der Hauptprobleme etwa der Sentinal-2 Daten löst. Während die bildgebenden Verfahren von Sentinal-2 beispielsweise an Bewölkung scheitert, lassen sich Radar-Daten von solchen Umständen nicht stören.

Die beim Monitoring entstehenden Bilder.

Zu den Sentinal-1 Daten entstanden somit rasch einige Forschungsprojekte, unter anderem an der TU Wien und der BOKU um einen Weg zu entwickeln, Feuchtgebiete mittels Satellitenbildern beobachten zu können. Dabei werden die Informationen der Sentinel-1 und -2 Daten kombiniert. Ausschlaggebend sind dafür die in der Forschung entwickelten Algorithmen, die ein konstantes Monitoring geschützter Auenlandschaften und Feuchtgebiete anhand der Daten theoretisch möglich machen.

Die Zukunft der Feuchtgebiete

Diese Wege sind natürlich auch für Unternehmen interessant. Zwei sehr naheliegende Bereiche die auf diese neuen Zugänge bereits aufmerksam geworden sind, sind in der Agrarwirtschaft und dem Versicherungswesen zu finden. Sie haben Interesse an einer Zusammenarbeit mit Andreas Trawöger zu seinen Ergebnissen? Schreiben Sie uns eine E-Mail, wir stellen gerne den Kontakt her.

Was die neuen Technologien für Möglichkeiten in der Zukunft für Wiens umliegende Feuchtgebiete bedeuten können, werden wir dank Andreas Trawöger hoffentlich bald erfahren. Wenn sein Projekt aufgeht, legt er den Grundstein für ganz neue Möglichkeiten, sich für die Erhaltung unserer Naturschutzgebiete einsetzen zu können.

Erste Schritte hin zu dieser Idee entstanden bereits 2016 beim Copernicus Hackathon, dort beschäftigte sich Andreas Trawöger mit Sentinel-1A Überflutungsdaten. Weiterentwickeln wird er sein Projekt bei der heurigen NASA’s Space Apps Challenge, die am 28. und 29. April für 48 Stunden in 182 Destinationen weltweit gleichzeitig stattfindet. In Wien treffen sich Interessierte in den Räumlichkeiten der Österreichischen Lotterien, eine Anmeldung ist aktuell (noch) möglich.

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